Balance im Berufsleben

Eine psychologische Studie aus dem Jahr 2018 hat laut Zeitschrift „Psychologie heute“ zum Ergebnis, dass ältere Arbeitnehmer*innen ihre berufliche Leistungsfähigkeit und das persönliche Wohlbefinden durch eine klare Abgrenzung zwischen Arbeits- und Privatleben erreichen während Jüngere mit dieser Balance zu kämpfen haben.

Gute Zäune machen gute Nachbarn lautet ein englisches Sprichwort und Grenzen setzen lernen ist ein klassisches Coachingthema. Meine Anregungen beziehen sich auf meine Beobachtungen von jüngeren Kund*innen der Altersgruppe 18 – 35 sowie eigene Erfahrungen aus rund 35 Jahren bei unterschiedlichen Arbeitgebern und 15 Jahren freiberuflicher Coachingtätigkeit. Erfahrung ist die Universität der Dummen lautete die Reaktion eines Vorgesetzten als ich mit eben dieser mein Handeln begründen wollte. In der Beratung jüngerer Berufstätiger nutze ich nicht nur professionelle Coachingmethoden, sondern zapfe gern meine persönlichen Erfahrungen an, wenn es um die Erhaltung der beruflichen Leistungsfähigkeit geht.

Mit Coaching nehmen Sie das Steuer in die Hand und bleiben auf Kurs!

Eine gute Selbststeuerung schont die Nerven

Es besteht in jeder Situation die Möglichkeit, seinem ersten Impuls zu folgen und wütend, traurig, enttäuscht oder gekränkt zu sein. Häufig löst diese Erstreaktion im beruflichen Umfeld eine Kaskade an unerwünschten Problemen aus. Fiona Flunsch möchte, dass ihr Vorgesetzter jedes Arbeitsergebnis sofort wahrnimmt und lobt. Dauert die Rückmeldung oder fällt ganz aus, ist Fiona sichtlich enttäuscht. Schon nach kurzer Zeit reagieren das Team, der Vorgesetzte und Fionas Familie gereizt auf ihre Klagen. Als berufserfahrene Kollegin kann ich Fiona mitteilen, dass sofortige Belohnung durch Dritte im Berufsleben kein allgemeiner Standard ist. An vielen Arbeitsplätzen gilt, dass nicht gemeckert genug gelobt ist. Im Coaching würde ich mit Fiona geeignete Selbstmanagementtechniken einüben, die ihren Belohnungsstress lindern und dazu führen, dass sie sich Ziele setzt, die zu einer positiven Selbstwahrnehmung und in Folge auch zu veränderten Rückmeldungen an ihrem Arbeitsplatz führt.

Prioritäten setzen können

Heidi Hechel lebt und arbeitet nach der Devise „ich will alles und das sofort“. Bereits nach einer Woche verliert sie in wichtigen Projekten den Überblick, hält Termine nicht ein und verzettelt sich beruflich und privat. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren ist eine Fähigkeit, die auch ich seit Jahrzehnten übe. Wichtige Themen und Projekte gehe ich immer vormittags sofort an, dann ist meine Konzentration am höchsten. Geduld ist der beste Lehrer, wusste ein Ausbilder in der systemischen Beratung zu berichten. Im Coaching würde ich Heidi geeignete Selbstorganisationstechniken anbieten und bei Bedarf das Chaos mit ihr so sortieren, dass ein erfolgversprechender Zeitplan entsteht.

Gerechtigkeit im Berufsleben?

Vorgesetzte und Kolleg*innen sind Menschen. Menschen machen Fehler. Weder eine gute Ausbildung, Fleiß oder breit gefächerte Fähigkeiten führen zwangsläufig dazu, beruflich immer erfolgreich zu sein. Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen lautet ein Sprichwort aus dem Fußball. Nicht jede Entscheidung im Arbeitsleben ist fair. Andere werden vorgezogen, weil sie länger im Betrieb sind oder andere Vorzüge haben, die gerade gebraucht werden. Viele Entscheidungen werden immer noch „nach Nase“ oder mit dem berühmten Bauchgefühl getroffen. Im Coaching lote ich auch aus, was das Gute an schlechten Entscheidungen ist und entwickle mit meinen Kundinnen passgenaue Strategien für den Umgang mit Ungerechtigkeit.

Das Arbeitsleben ist kein Kindergeburtstag

Beliebt und anerkannt zu sein ist wohltuend, keine Frage. In diesem Bereich ist die Fähigkeit, seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu kennen, besonders wichtig. Kolleg*innen und Vorgesetzte können langfristig gute Bekannte oder Freunde werden. Häufig verschwimmen aber die Grenzen von Beruf und Privatleben durch Freundschaften am Arbeitsplatz. Private Rückzugsräume zu haben kann sehr erholsam sein. Ich habe in meinem Berufsleben bisher alle möglichen Formen von Nähe und Distanz am Arbeitsplatz erkundet. Eine klare Trennung führt dazu, dass ich genug Zeit für meine privaten Interessen habe, die mich für das Berufsleben aufbauen. Im Coaching beleuchte ich in diesem Bereich häufig, welche Strategien es gibt, mit Kritik und Ablehnung so umzugehen, dass meine Kund*innen sich gestärkt fühlen.

Abschalten ist möglich

Während der Arbeitszeit, am Wochenende und im Urlaub habe ich mein Smartphone dabei und bin notfalls erreichbar, d.h. ich kontrolliere dreimal täglich, ob ich angerufen wurde. Nicht mehr und nicht weniger. Samstag und Sonntag bin ich grundsätzlich in jeglicher Hinsicht offline. Montags stelle ich dann oft fest, dass ich nichts Weltbewegendes verpasst habe oder wichtige Anrufe immer noch auf dem Festnetz möglich sind. Es gibt am Arbeitsplatz und im Privatleben genug Ablenkungsmöglichkeiten und ich arbeite schneller und bin zufriedener mit den Ergebnissen, wenn ich mich konzentriere. Ablenkung durch elektronische Geräte in der Schule, in der Ausbildung und im Beruf ist zur Zeit der häufigste Anlass für die Anfrage eines Coachingtermins.